Sanftmut einer Frau

Bloged in Allgemein by DocNobbi Samstag August 28, 2010

Sanftmut einer Frau

Bibelstellen: 1. Petrus 3,1-2

Ernst Modersohn erzählt: Da saßen etliche Trinker zusammen im Wirtshaus. Sie sprachen über dies und das; endlich kamen sie auch auf die Frauen zu sprechen. O, da hatte der eine noch mehr zu räsonieren wie der andere. Nur einer schwieg stille. Das fiel den anderen endlich auf. “Nun?” fragten sie, “du sagst ja gar nichts?”

“Ja”, sagte er, “da kann ich nicht mittun. Ich habe keinen Grund, mich über meine Frau zu beklagen. Sie gibt mir kein böses Wort.”

Da lachten die anderen und sagten: “So was gibt’s ja gar nicht.”

“Aber sicher!” verteidigte er nun seine Frau. “Ich bin gewiss, wenn ich mitten in der Nacht ihr befehlen würde, sie solle aufstehen und mir was zu essen kochen, sie würde es tun ohne ein Wort der Widerrede!”

Der Spott, das Gelächter der anderen wurde immer lauter. “Unsinn! Du machst uns was vor!”
“Was gilt die Wette?”

Richtig, es wurde gewettet. Man wollte sich sofort überzeugen, ob er die Wahrheit gesagt hätte. Die ganze betrunkene Gesellschaft machte sich auf den Weg.

Die Frau war schon zu Bett gegangen; denn es war spät. Mitternacht war längst vorbei, als die Männer ins Haus kamen. Ihr Mann kommandierte: “Geschwind, Frau, steh auf und koch uns einen guten Kaffee; ich habe Gäste mitgebracht.”

Die Gäste dachten nicht anders, als dass sie jetzt eine Flut von Schimpfworten zu hören bekommen würden, wie sie das gewöhnt waren; aber nein, es kam kein böses Wort. Nach kurzer Zeit hörte man das Klappern von Tassen, und es dauerte nicht lange, da brachte sie mit freundlichem Gesicht den dampfenden Kaffee herein.

Der Anblick ernüchterte die Männer, dass sie anfingen, sich vor der stillen, sanften Frau zu schämen. Endlich sagte ihr einer von der Wette, welche sie herbeigeführt hätte, und dann fragte er sie: “Wie können Sie nur so freundlich sein zu solchen Leuten, wie wir sind? Wie bringen Sie das fertig?”

Darauf sagte sie: “Ich sehe mit Schmerzen, dass mein Mann tut, was er kann, um sich zu ruinieren. Er hat nur ein Leben. Ein ewiges Leben gibt es ja für Trinker nicht. Da möchte ich ihm nun das Erdenleben, das er nur hat und das er sich noch obendrein so verkürzt, so angenehm wie möglich machen.”

Die ernüchterten Gäste gingen bald still heim. Der Mann aber sprach zu seiner Frau: “Sag mal, Frau, liegt dir wirklich so viel an meinem Seelenheil?” Und als er ihr in die nassen Augen sah  -  denn so weich hörte sie ihn sonst nie sprechen  – , da brachen auch ihm die Tränen aus den Augen, und er bereute seine Schuld. Sie knieten zusammen nieder, und der Herr half ihm, ein anderer zu werden.

[Die Begebenheit geht wohl auf Ernst Modersohn zurück]

DAS BUCH THOMAS, DES ATHLETEN

Bloged in Allgemein by DocNobbi Mittwoch August 25, 2010

DAS BUCH THOMAS, DES ATHLETEN

Die siebte Schrift aus dem Nag-Hammadi-Codex II

Dies sind die geheimen Worte, die der Erlöser zu Judas Thomas gesprochen hat und
die ich selbst, Mathaias, aufgeschrieben habe.
Ich wandelte nämlich mit ihnen und hörte sie miteinander reden.
Der Erlöser sagte :
Mein Bruder Thomas, solange du Gelegenheit in der Welt dazu hast, höre mir zu, auf
dass ich dir Offenbarung hinsichtlich der Dinge die du in deinem Herzen erwogen
hast, erteile.
Weil du aber als mein Bruder und wahrhaft Geliebter giltst, prüfe dich und erkenne,
wer du bist und wie du bist, und wie du sein wirst. Da du ja mein Bruder heisst, darfst
du nicht in Unwissenheit über dich selbst bleiben. Ich weiss, dass du bereits eine
gewisse Erkenntnis gewonnen hast. Denn du hast mich schon erkannt, nämlich dass
ich die Erkenntnis der Wahrheit bin.
Nachdem du nämlich als Unwissender in meine Nachfolge getreten bist, bist du
bereits zu dieser Erkenntnis gelangt. Doch du wirst schliesslich “der sich selbst
Erkennende” heissen.
Denn wer sich selbst nicht erkannt hat, hat nichts erkannt.
Wer jedoch sich selbst erkannt hat, hat auch schon die Erkenntnis über die Tiefe des
Alls erlangt.
Deswegen also, mein Bruder Thomas, hast du das vor den Menschen Verborgene
gesehen, nämlich dasjenige, an dem man zu Fall kommt, wenn man es nicht erkennt.
Thomas aber sagte zum Herrn :
Ich bitte dich aber darum, dass du mir vor deiner Himmelfahrt all das sagst, wonach
ich dich frage. Und wenn ich von dir die Wahrheit betreffs des Verborgenen höre,
dann vermag ich von ihm zu reden. Und es ist mir bewusst, dass es schwierig ist, die
Wahrheit vor den Menschen zu tun.
Der Erlöser antwortete und sprach :
Wenn schon das, was euch offenbar ist, vor euch verborgen ist, wie könnt ihr dann
etwas über das, was nicht offenbar ist, vernehmen …?
Wenn es für euch schon schwierig ist, die in der Welt offenbaren Werke der
Wahrheit zu tun, wie könnt ihr dann die Werke des Pleromas, die nicht offenbar
sind, tun …?
Wie könnt ihr denn “Täter der Wahrheit” heissen?
Deswegen seid ihr noch Lernende und habt ihr noch nicht die Grösse der
Vollkommenheit erlangt.
Thomas antwortete aber und sprach zu dem Erlöser :
Sprich zu uns über das, von dem du gesagt hast, dass es nicht offenbar, sondern uns
verborgen ist !
Der Erlöser sagte :
Alle Menschenleiber sind wie Tiere: sie werden auch gezeugt, wie bei den Tieren, was
sichtbar ist, so wie ein Geschöpf nach einem anderen Geschöpf trachtet.
Deswegen aber existieren die oberen Wesen nicht in der Weise wie die sichtbaren,
sondern sie leben aus ihrer eigenen Wurzel; und ihre Früchte sind es, was sie ernährt.
Diese offenbaren Leiber aber essen von den Geschöpfen, die ihnen gleichen.
Deswegen verändern sich ja die Leiber. Was sich aber verändert, wird zu Grunde
gehen und der Vernichtung anheimfallen und hat keine Hoffnung auf Leben mehr.
Denn dieser Leib ist tierisch.
Wie nun der Tiere Leib zugrunde geht, so werden diese Gebilde zugrunde gehen.
Stammt er etwa nicht aus dem Beischlaf wie der Leib der Tiere ? Wenn er aber aus
ihm stammt, wie kann er sich gross von den Tieren unterscheiden ?
Deswegen also seit ihr unmündig, bis ihr Vollkommen werdet !
Thomas aber antwortete :
Deshalb sag ich dir, O Herr : Diejenigen, die über das nicht Offenbare und das schwer
zu Erklärende sprechen, gleichen Leuten, die ihre Feuer des Nachts unterhalten zum
Zwecke eines Zeichens: Auch sie unterhalten zwar ihre Feuer, so wie gewisse Leute sie
ja zum Zwecke des Zeichens unterhalten – jedoch ist es nicht sichtbar; wenn aber das
Licht hervorkommt und die Finsternis verhüllt, dann wird die Sache eines jeden
sichtbar werden.
Unser Licht aber bist Du, O Herr, der Du erleuchtest.
Jesus sagte :
Das Licht existiert im Licht …!!
Thomas sprach :
O Herr, weswegen geht das sichtbare Licht, das um der Menschen willen scheint, auf
und unter ?
Der Erlöser sagte :
O Seliger Thomas ! Ja, das sichtbare Licht erschien um euretwillen ! Nicht etwa damit
ihr an diesem Ort bleibt, sondern damit ihr ihn verlasst.
Wenn aber alle Erwählten die Tierheit ablegen, dann wird das Licht nach oben zu
seiner Substanz zurückkehren und diese seine Substanz wird es bei sich aufnehmen,
weil es ein guter Diener ist.
Der Erlöser fuhr fort und sprach :
O du unaufspürbare Liebe des Lichtes – –
O du Bitterkeit des Feuers, das in den Leibern der Menschen und in ihrem Mark
brennt. Tag und Nacht in ihnen brennend; und du, Begierde, die die Glieder der
Menschen verzehrt, ihre Herzen trunken machend und ihre Seelen in Verwirrung
bringend, und Gewalt ausübend über sie in den Männern und den Frauen Tag und
Nacht, und sie in grosse Unruhe versetzt, Unruhe stiftend im Verborgenen und im
Offenbaren.
Denn die weibischen Männer entbrennen zueinander ohne die Frauen, und die
Frauen ohne die Männer.
Er ergriff wieder das Wort und sagte :
Jeder, der nach der Wahrheit sucht, wird sich auf Veranlassung der weisen Frau
Wahrheit Flügel bereiten, um wegzufliegen vor der Begierde, die die Geister der
Menschen verbrennt; und er wird sich Flügel bereiten, um zu fliehen vor jeglichem
Geist der die Menschen verführt durch das, was sichtbar ist.
Thomas antwortete und sprach :
O Herr, genau das ist es ja, wonach ich dich frage, denn ich habe erkannt, dass du es
bist, was uns von Nutzen ist, wie du gesagt hast.
Wiederum ergriff der Erlöser das Wort und sprach :
Deswegen müssen wir zu euch reden. Denn dies ist die Lehre für die Vollkommenen.
Wenn ihr also Vollkommen sein wollt, müsst ihr diese Gebote halten, sonst ist euer
Name “Unwissend”, da es ja unmöglich ist, dass ein Verständiger bei einem Toren
Wohnung nimmt. Denn der Verständige ist angefüllt mit jeder Weisheit; für den
Toren aber ist das Gute und das Böse einunddasselbe. Denn der Weise wird
aufwachsen in der Wahrheit, und er wird sein wie der Baum, der am Bach wächst.
Da ja nun etliche die Flügel des Verstandes haben, bei dem Sichtbaren ihre Zuflucht
suchen – die sind weit entfernt von der Wahrheit. Denn ihr Führer, das Feuer, wird
ihnen ein Trugbild von Wahrheit erscheinen lassen und ihnen in vergänglicher
Schönheit leuchten. Es wird sie durch finstere Süsse einfangen und durch anrüchige
Lust wegführen. Es wird sie blind machen
durch die unersättliche Begierde und ihre Seele verbrennen. Es wird für sie sein, wie
ein im Herz steckender Pfahl, den sie niemals herausziehen können, und wie ein
Zaum im Maul, der sie lenkt, wie es seinem eigenen Wunsch entspricht. Es hat sie mit
seinen Ketten gefesselt, und all ihre Glieder hat es gebunden mit der Bitterkeit der
Fessel der Begierde nach dem Sichtbaren, das vergänglich, wandelbar und wechselvoll
ist.
Mit grosser Kraft wurden sie von oben herabgezogen und werden immerdar getötet,
dadurch, dass sie hingezogen werden zu allen Tieren der Unreinheit.
Thomas antwortete und sprach :
Es ist offensichtlich !
Es wurde auch gesagt: Wappnet euch vor denen, die das
Verderben für den Leib und die Seele nicht kennen !
Der Erlöser aber antwortete und sprach :
Heil dem weisen Mann, der nach der Wahrheit suchte. Denn als er sie fand, kam er
zur Ruhe auf ihr für immer und fürchtete sich nicht mehr vor denen, die ihn in
Unruhe versetzen wollten.
Thomas antwortete und sprach :
Ist es von Nutzen für uns, O Herr, zur Ruhe zu kommen in dem, was uns gehört ?
Der Erlöser sprach :
Ja, das ist es, was Nutzen bringt; und es ist gut für euch, da ja das, was an den
Menschen sichtbar ist, sich auflösen wird.
Denn das Gefäss ihres Fleisches wird sich auflösen. Und wenn es in seine Bestandteile
zerfällt, wird es auch im Offenbaren und Sichtbaren sein. Und ihnen bereitet dann
das sichtbare Feuer Pein.
Wegen der Liebe zum Glauben werden die, die sie vor dieser Zeit gehabt haben, noch
einmal dem Sichtbaren hinzugefügt werden. Die Sehenden aber sind dann nicht mehr
im Sichtbaren.
Diejenigen, die ohne die erste Liebe sind, werden durch die Sorge des Lebens und die
Glut des Feuers zugrunde gehen. Es dauert nur kurze Zeit, bis der sichtbare Leib sich
auflöst; dann werden hässliche Gespenster da sein und mitten in den Gräbern auf den
Leichen sitzen zu ewiger Pein und Vernichtung für die Seelen.
Thomas aber antwortete und sprach :
Was haben wir, um es diesen vorzutragen ? Was sollen wir den blinden Menschen
sagen ? Welche Lehre sollen wir jenen unglücklichen Sterblichen mitteilen, die da
sagen: Wir kamen, um Gutes zu erlangen, und nicht, um Verfluchung zu ernten ! ?
Sie werden doch erwidern: Wenn wir nicht im Fleisch geboren wären, hätten wir
auch die Sünde nicht kennengelernt.
Der Erlöser sprach :
Wahrlich, halte jene nicht für Menschen, sondern rechne sie unter die Tiere. Denn
wie die Tiere einander fressen, so fressen auch derartige Menschen einander. Aber sie
haben das Reich Gottes verloren, da sie ja die Süsse des Feuers lieben und Sklaven des
Todes sind und zu den Werken der Unreinheit ihre Zuflucht nehmen.
Sie machen voll das Mass der Begierde ihrer Väter. Aufgrund des bitteren Zwanges
ihrer bösen Natur werden sie zur Züchtigung in den Abgrund geworfen werden.
Denn sie werden so gepeitscht werden, dass sie kopfüber an den Ort stürzen, den sie
nicht kennen.
Sie werden ihre Glieder nicht in Ausdauer gebrauchen können, sondern sie werden
verzagen. Und sie freuen sich über das Feuer und lieben die Raserei und den
Wahnsinn, weil sie Toren sind. Sie streben nach Sinnesverwirrung, ohne ihre Raserei
zu erkennen, während sie noch glauben, klug zu sein.
Deshalb lieben sie auch törichterweise ihren eigenen Körper, wobei ihr Sinn auf sie
selbst gerichtet ist, und ihr Gedanke bei ihren Händeln ist.
Die Flamme aber ist es, die sie verbrennen wird.
Thomas antwortete aber und sprach :
Herr, das, was in sie hineingesät worden ist, was wird mit ihm geschehen ? Denn ich
sorge mich sehr ihretwegen; denn viele sind es, die ihnen entgegenstehen.
Der Erlöser antwortete und sprach :
Was ist dir selbst klar ?
Judas, der Thomas genannt wird sprach :
Dir, O Herr, ziemt es zu reden, mir aber, auf dich zu hören.
Der Erlöser antwortete :
Höre auf das, was ich dir sagen werde und glaube an die Wahrheit !
Der Säende und das Gesäte werden aufgrund ihres Feuers vergehen im Feuer und im
Wasser und werden verborgen sein in den Grüften der Finsternis. Und nach langer
Zeit werden sie offen in Erscheinung treten als die Früchte der schlechten Bäume und
ihre Strafe empfangen, indem sie vernichtet werden durch den Mund der Tiere und
der Menschen und durch die Wirkung des Regens, der Winde, der Luft und des
Lichtes, das oben leuchtet.
Thomas antwortete aber :
Du hast uns wahrlich überzeugt, O Herr; wir haben im Herzen eingesehen und es ist
uns deutlich, da wir ja nicht zur Welt gehören, dass dies sich so verhält, und dass
deine Rede nichts zurückhaÅNlt. Aber die Worte, die du uns sagst, sind für die Welt
etwas, über das man lacht und die Nase rümpft, da man sie ja nicht versteht.
Wie können wir denn hingehen, um sie zu verkündigen …?
Der Erlöser antwortete und sprach :
Wahrlich, ich sage euch :
Wer diese Rede hört und in solcher Weise sein Gesicht abwendet oder die Nase
rümpft oder die Lippen verzieht – - wahrlich, ich sage euch : der wird überantwortet
werden dem Herrscher oben, dem, der über alle Mächte als König herrscht, und er
wird jenen zurückweisen und von oben in den Abgrund hinabwerfen, und er wird
dort in einen engen und finsteren Raum eingesperrt werden. Er kann sich also nicht
umdrehen oder bewegen wegen der grossen Tiefe des Tartaros (Unterwelt) und der
schwer lastenden Bitterkeit der fest verschlossenen Unterwelt.
Und sie werden in sie hinabgebracht, weil sie euch verfolgt haben. Man wird nicht
vergeben dem, der in Bedrängnis bringt. Er wird verurteilt werden, weil er euch
verfolgt hat. Er wird dem grossen Engel Tartaruchos übergeben werden, der ein
Feuerengel ist und der sie verfolgt, während Feuergeisseln Funken in das Gesicht
dessen, der verfolgt wird, sprühen lassen.
Wenn er nach Westen flieht, findet er dort das Feuer.
Wenn er sich nach Süden wendet, findet er es auch dort.
Wenn er sich nach Norden wendet, tritt ihm ebenfalls die Bedrohung eines lodernden
Feuers entgegen.
Den Weg nach Osten, um dorthin zu fliehen und gerettet zu werden, kann er aber
nicht finden.
Denn er hat ihn nicht gefunden, solange er im Leibe war, so dass er ihn etwa finden
könnte zur Zeit des Gerichts . . . !
Dann fuhr der Erlöser fort und sprach :
Wehe euch, ihr Gottlosen, die ihr keine Hoffnung habt, die ihr euer Vertrauen auf
Dinge setzt, die nicht eintreten werden.
Wehe euch, die ihr eure Hoffnung setzt auf das Fleisch und das dem Untergang
geweihte Gefängnis.
Wie lange wollt ihr noch im Vergessen bleiben und wann endlich denkt ihr daran,
dass die Unvergänglichen nicht vergehen werden.
Eure Hoffnung stützt sich auf die Welt und euer Gott ist dieses Leben, wodurch ihr
eure Seelen zugrunde richtet.
Wehe euch, um des Feuers willen, das in euch brennt; denn es ist unersättlich.
Wehe euch, um des Rades willen, das sich in euren Gedanken dreht.
Wehe euch, um des Brennens willen, das in euch ist; denn es wird sichtbarlich euer
Fleisch verzehren und heimlich eure Seelen entzweien, und es wird euch gewillt
machen, euch untereinander zu . . . .
Wehe euch, ihr Gefangenen; denn ihr liegt gefesselt in euren Zufluchtsorten. Ihr lacht
mit Vergnügen über die unsinnigsten Spässe.
Ihr kennt nicht euer Verderben, noch wisst ihr, worin ihr euch befindet, noch habt
ihr erkannt, dass ihr in der Finsternis und im Tode seid.
Ihr seid vielmehr vom Feuer berauscht und voll von Bitterkeit.
Euer Sinn ist nur auf euch selbst gerichtet infolge des Brennens in eurem Innern. Und
süss erscheint euch das Gift und der Stich eurer Feinde.
Und die Finsternis ist über euch aufgegangen, als wäre sie das Licht.
Denn eure Freiheit habt ihr für die Knechtschaft hingegeben, und ihr habt eure Sinne
finster gemacht.
Und euer Denkvermögen habt ihr für Torheit hingegeben und habt eure Gedanken
angefüllt mit dem Rauch des Feuers, das in euch ist.
Und euer Licht wurde verdeckt durch die Wolke der Finsternis.
Und das Gewand, das ihr tragt, habt ihr geliebt, obwohl es schmutzig ist. Und ihr
wurdet in Besitz genommen von der Hoffnung, die keinen Bestand hat.
Und wem ihr Vertraut habt, das wisst ihr selbst nicht.
Und ihr seit alle in Fesseln, aber brüstet euch, als wäret ihr frei.
Und ihr habt eure Seelen ins Wasser der Finsternis getaucht.
Ihr seit nach eigenem Willen ins Verderben gelaufen …!
Wehe euch, die ihr auf falschen Wegen seid und nicht beachtet, dass das Licht der
Sonne, die alles richtet und alles sieht, sich gegen alle Schandtaten wenden wird, um
sich die Feinde zu unterwerfen.
Und ihr begreift auch nicht, das der Mond in der Nacht und auch bei Tage
herabblickt und die Leichen eurer Gemetzel sieht.
Wehe euch, die ihr den Umgang mit der Weiblichkeit und das unreine
Zusammensein mit ihr liebt.
Und wehe euch um der Mächte willen, die euren Leib beherrschen; denn jene werden
euch zugrunde richten.
Wehe euch, um der Wirkung der bösen Dämonen willen.
Wehe euch, die ihr eure Glieder durch das Feuer antreibt.
Wer wird auf euch erquickenden Tau regnen lassen, damit er die vielen Feuer in euch
und eure Glut löschen kann . . .?
Wer wird über euch die Sonne aufgehen lassen, um die Finsternis, die in euch ist, zu
vertreiben und die Finsternis und das schmutzige Wasser zuzudecken ?
Die Sonne und der Mond werden euch Wohlgeruch spenden nebst der Luft, dem
Wind, der Erde und dem Wasser.
Denn wenn die Sonne nicht aufgeht über den Lebewesen, werden sie verfaulen und
umkommen.
Damit verhält es sich wie bei Pflanze und Gras: Wenn nun die Sonne darauf scheint,
wird es stark und erstickt den Weinstock.
Wenn aber der Weinstock stark wird und Schatten wirft auf die Pflanzen und auch
auf alle Dornen, die mit ihm zusammen gesprossen sind, sich ausbreitet und weit
ausdehnt, erbt er allein das Land, auf dem er aufgesprosst ist, und verfügt über jede
Stelle, die er überschattet hat. Denn also, wenn er wächst, bekommt er das ganze Land
zur Verfügung und bringt seinem Herrn Nutzen und gefällt ihm über die Massen.
Denn er hätte wegen der Pflanzen grosse Mühe gehabt, bis er sie ausgerissen hätte.
Aber der Weinstock hat sie dort selber beseitigt. Und zwar erstickte er sie, und sie
starben und wurden zu Staub.
Dann fuhr Jesus fort und sprach zu ihnen :
Wehe euch, denn ihr habt die Lehre nicht angenommen.
Und diejenigen, die sie annehmen wollen, werden Mühsal haben, wenn sie sie
verkündigen.
Denn ihr werdet sie verfolgen und lauft in eure eigenen Netze.
Ihr werdet sie in die Unterwelt und ins Verderben hinabsenden und werdet sie
täglich töten, nur damit sie täglich vom Tode auferstehen.
Heil euch, die ihr schon vorher die Versuchungen erkennt und vor den fremden
Dingen flieht.
Heil euch, die ihr geschmäht und nicht geachtet werdet wegen der Liebe, die euer
Herr für euch hat.
Heil euch, die ihr weint und geplagt werdet von denen, die keine Hoffnung haben;
denn ihr werdet von allen Fesseln erlöst werden.
Wachet und betet, dass ihr nicht im Fleisch bleibt, sondern aus der Fessel der
Bitterkeit des Lebens herauskommt.
Und wenn ihr betet, werdet ihr Ruhe finden, da ihr Mühsal und Schmach hinter euch
gelassen habt.
Denn wenn ihr aus den Mühen und Leiden des Leibes herauskommt, werdet ihr
Ruhe bei dem Guten empfangen und herrschen mit dem Herrscher – ihr verbunden
mit Ihm und Er verbunden mit euch – von jetzt an bis in alle Ewigkeit.
A M E N
Das Buch des Thomas
Der Athlet schreibt an
die Vollkommenen
DER FRIEDE DES HERRN SEI MIT EUCH

Würde

Bloged in Allgemein by DocNobbi Mittwoch August 25, 2010

Würde

such dir nicht den Ehrenplatz
(aus dem Evangelium nach Lukas 14,8)

Klare Handlungsanweisung
im Evangelium
gibt es nicht viele.
Klarer, als Jesus hier spricht,
kann man es sich nicht wünschen:
“Such dir nicht den Ehrenplatz,
nimm dich nicht so wichtig,
nimm dich keinesfalls wichtiger
als die Menschen neben dir.”
Unsere Sprache ist verräterisch,
in der Rede von denen da oben
und diesen da unten.
Diesen Unterschied
macht das Evangelium nicht:
“Jeder hat seine eigene Würde!”
Wenn wir so einander begegnen,
treffen wir IHN.

Impuls:
Schauen Sie nach den Ehrenplätzen aus?
Wie geht es Ihnen beim freiwilligen Verzicht auf den Ehrenplatz?
Diese Spur wurde Ihnen gelegt von Bernd Lülsdorf.
einen gesegneten Tag wünschen Ihnen Ihre Spurenleger

Um im Herzen denken zu können, muß man eine eigene Übung haben

Bloged in Allgemein by DocNobbi Samstag Mai 29, 2010

Um im Herzen denken zu können, muß man eine eigene Übung haben

Um im Herzen denken zu können, muß man eine eigene Übung haben; diese besteht in der stets erneuerten Erweckung der Liebe zu Gott. Durch diese Erweckung wird das Herz gestärkt und erweitert, wodurch dann des Geistes Bande lockerer werden, so daß sein Licht (denn jeder Geist ist ein Licht aus Gott) sich stets mehr und freier entwickeln kann. Fängt dann des Geistes Licht an, die eigentliche Lebenskammer des Herzens zu erhellen, so werden auch die zahllosen Urtypen in rein-geistigen Formen an den ebenfalls zahllosen Wänden des Lebenskämmerleins stets deutlicher ausgeprägt und der Seele beschaulich gemacht. Und siehe, diese Beschauung der Seele in ihrem Herzen ist dann ein neues Denken. Die Seele gelangt da zu neuen Begriffen und zu großen und klaren Vorstellungen. Ihr Sehkreis erweitert sich mit jedem Pulsschlag. Die Steine des Anstoßes verschwinden nach dem Maße, wie der Kopfverstand verstummt. Da ist dann kein Fragen nach Beweisen mehr. Denn das Licht des Geistes erleuchtet die inneren Formen also, daß sie nach keiner Seite hin einen Schatten werfen. Somit wird auch alles, was einem Zweifel nur wie im leisesten Hauche ähnlich wäre, für ewig verbannt.

J. Lorber Robert Blum 1, Kap. 35, 06

Mut zu sich selbst

Bloged in Allgemein by DocNobbi Samstag Februar 13, 2010

Mut zu sich selbst

Kierkegaard erzählt in einem Märchen von einer Lilie, die an einer entlegenen Stelle sorglos und froh blühte. Eines Tages kam ein kleiner Vogel und besuchte die Lilie. Am nächsten Tag kam er wieder und dann immer wieder, bis sich die Lilie in den Vogel verliebte, weil er so gutgelaunt war. Doch es war ein schlimmer Vogel, der die Lilie ihre Gebundenheit und seine Freiheit fühlen ließ. Der Vogel erzählte ihr schließlich von anderen herrlichen Lilien, die anderswo blühten und viel Bewunderung und Beachtung fänden.

Darüber war die Lilie nun bekümmert und begann, sich mit ihrem Geschick zu beschäftigen. Sie kam sich selbst immer kümmerlicher vor und wünschte sich sehnlichst, an anderer Stelle zu wachsen, unter den Kaiserkronen und Königsblumen, von denen ihr der Vogel so viel erzählt hatte. So bat sie den kleinen Vogel eines Tages, er möchte sie doch in seinem Schnabel mitnehmen zu all den anderen Blumen, die so prächtig seien. Der Vogel erfüllte ihr den Wunsch. Er hackte mit seinem Schnabel das Erdreich rings um die Wurzeln der Lilie weg und trug sie dann unter seinen Flügeln davon. Er wollte sie dorthin tragen, wo sie in besserer Gesellschaft eine prachtvolle Lilie sein könnte. Doch unterwegs verwelkte die Lilie.
Kierkegaard schließt sein Märchen: “Hätte die bekümmerte Lilie sich genügen lassen, Lilie zu sein, wo Gott sie hingestellt hatte, wäre sie in aller ihrer Pracht dort geblieben. Dann wäre sie die Lilie gewesen, über die der Pfarrer am Sonntag sprach, als er das Evangelium las: Betrachtet die Lilien auf dem Felde, ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist wie eine von ihnen!”

Aus Axel Kühner: Überlebensgeschichten für jeden Tag

Das Heilmittel gegen Sorgen

Bloged in Allgemein by DocNobbi Samstag Februar 13, 2010

Das Heilmittel gegen Sorgen

von Pastor Wolfgang Wegert ©

Predigttext: “Denn nach diesem allen trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr dies alles benötigt. Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden” (Mt 6,32-33).

Jesus sagt, daß nach “diesem allen” die Heiden trachten, das meint die Ungläubigen. Zu Seinen Jüngern aber sagt Er: “So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen? Oder: Was sollen wir trinken? Oder: Was sollen wir anziehen?” (Mt 6,31), denn nach diesen vergänglichen Dingen trachten die Gottlosen. Ihr ganzes Streben kreist um ihren Bauch und ihre Eitelkeit. Der Sinn ihres Lebens beschränkt sich auf Essen und Trinken. Ihre ganze Sorge gilt deshalb dem Materiellen. Von früh bis spät dreht sich alles um Anschaffung und Gewinn. Dabei rauben ihnen ihre Sorgen um das tägliche Leben oft die letzten Nerven. Die Ängste um ihren Lebensstandard machen sie krank. Gibt es ein Heilmittel dagegen? In diesem Zusammenhang wollen wir einige Fragen zu unserem Text beantworten.

I. Warum das Leben der Ungläubigen nur vom Trachten nach dem Vergänglichen erfüllt ist. Die Heiden hatten zu Jesu Zeiten im Gegensatz zu den Jüngern kein geschriebenes Wort Gottes. Sie lebten in absoluter geistlicher Dunkelheit. Sie kannten keinen Gott der gütigen Vorsehung, der sich sogar um die Nahrung jedes einzelnen Vogels und um die Kleidung jeder einzelnen Lilie kümmert. Für sie war das Leben nichts anderes als blindes und unerbittliches Schicksal. Aus diesem Glauben heraus formten sie sich Götter, denen sie aufgrund ihrer unberechenbaren Launen natürlich nicht vertrauen konnten.

Vielmehr hatten sie Angst vor ihnen und mußten sich ihre Gunst mit aufwendigen Ritualen, bis hin zu Menschenopfern, erkaufen. Von einem ewigen Leben in der Herrlichkeit eines liebenden Gottes hatten sie keine Idee. Konsequenterweise mußte diese Welt alles für sie bedeuten. Deswegen waren ihre Gedanken auch zwangsläufig nur auf diese Welt gerichtet. Alle ihre Energie verwendeten sie einzig und allein darauf, ihr tägliches Leben zu erkämpfen und ihre wenigen Tage etwas zu versüßen. Deshalb konnten ihre Lebensziele auch nicht über Essen und Trinken, Kleidung und Vergnügen hinausgehen.

Die Ungläubigen unserer Tage sind genauso. Sie kennen keinen himmlischen Vater, dem sie vertrauen könnten. Sie wissen nichts von einem Gott, der sogar das Gras auf dem Felde kleidet. Sie glauben, ebenso wie auch die früheren Heiden, nur an ein wechselhaftes Schicksal, das sie unter allen Umständen selbst in die Hand nehmen müssen. Darum kämpfen sie mit ihren Ellbogen und gehen sogar über Leichen, nur um sich ihre Sachen zu sichern. Der Lebensstandard ist alles, wofür sie leben. Und in den Wettlauf um Besitz und Geld stecken sie alle ihre Kraft. Heute wollen sie leben, denn morgen sind sie tot, wie sie sagen. Leider wissen sie nicht, daß sie eine unsterbliche Seele haben. Und sie kennen die Worte Jesu nicht: “Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?” (Mt 16,26) Darum ist das Trachten der christuslosen Menschen mit der Befriedigung ihres Leibes zu Ende. Nach Höherem streben sie nicht.

Möge der Heilige Geist dir die Augen dafür öffnen, daß du nicht nur ein biologischer Zufall bist und aus Versehen auf dieser Erde lebst. Der Herr will dein Gott sein, und du sollst Sein Kind sein. Er will dich versorgen und auf dich achten und dich niemals verlassen noch versäumen. Er hat einen ewigen Himmel für Seine Kinder bereitet. Darum geht ihr Sehnen weiter und höher als nur bis zu dieser vergänglichen Erde. Deshalb bekehre dich und tue Buße über deinen Unglauben. Bitte Gott um Gnade, doch auch dir diesen vertrauenden Glauben zu schenken, den die Kinder Gottes zu ihrem himmlischen Vater haben. Sie müssen sich nicht mit Sorgen verzehren wie die Heiden, denn ihr himmlischer Vater weiß, daß sie dies alles benötigen.

Für Christen ist das Erarbeiten des notwendigen Lebensunterhaltes natürlich ihre Pflicht. Aber wenn unsere Gedanken und Sinne sich in der Sorge um das Irdische völlig verlieren, ist es Sünde, denn Sorgen und Grübeln ist Mißtrauen gegen Gott. Weil ich bezweifle, daß Er mich erhält, sorge ich. Die Gottlosen sind insoweit noch zu entschuldigen, denn sie kennen Gott nicht als ihren Versorger. Sie sind unwissend. Aber als Gotteskind ist dir dein himmlischer Vater bekannt, dessen treue Fürsorge du schon so oft erlebt hast. Wie beschämend für dich, daß du dich in Sorgen und Grämen verlierst. Es ist eine große Sünde, daß du deinem Gott nicht vertraust. Du benimmst dich wie ein Heide, wie ein unwissender Gottloser. Sollte dein Gott, der die Vögel, die nicht säen, ernährt und die Blumen, die nicht spinnen, kleidet, nicht auch dich versorgen? Bist du nicht mehr als sie? Darum vertraue deinem Gott – gerade auch in der Sache, die dich nicht schlafen lassen will!

II. Welches ist nun das Heilmittel gegen das Sorgen? Mache Gottes Sache zur Sorge Nummer eins in deinem Leben. “Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden” (Mt 6,33), sagt Jesus. Laß also das Reich Gottes zum wichtigsten und höchsten Anliegen in deinem Leben werden. Die Antwort Jesu lautete also nicht nur, dem Vater im Himmel zu vertrauen, wie Vögel und Pflanzen es uns lehren, sondern Er gibt uns als Heilmittel eine andere Sorge anstelle der eigenen, nämlich die göttliche Sorge um das Reich Christi. Jesus will die Ängste um unser eigenes Leben vertreiben, indem Er unsere Herzen mit einem weitaus höheren und edleren Anliegen erfüllt.

Er will unsere Herzen brennend machen und sie völlig für das Reich Gottes gefangennehmen, so daß wir unsere eigenen Kleinigkeiten vergessen. Gott und die Welt, Licht und Finsternis, Christus und Belial können nicht zugleich die Seele einer Person besitzen. Wenn die Liebe Gottes ins Herz ausgegossen wird, verdrängt sie zugleich die Liebe zur Welt. “Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden” (2.Kor 5,17). Der Mensch ist so geschaffen, daß er nicht zugleich zwei Ziele verfolgen kann. “Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon” (Mt 6,24).

Wenn du für Jesus lebst, vergißt du deine eigenen Kümmernisse. Wenn du also möchtest, daß die Sorgen dieser Welt dich nicht mehr plagen, dann diene Jesus. Wenn du zuerst nach dem Reich Gottes trachtest, bist du geheilt von deinen eigenen Sorgen. So einfach ist das. Verfolge die hohen, göttlichen Ziele, dann kommst du los von den quälenden Fesseln der Erde. Der beste Weg, ein Kind von einem schmutzigen und gefährlichen Spielzeug zu trennen, ist, ihm etwas zu geben, das es mehr befriedigt als das erste. Fachleute sagen, wenn ein Pferd nicht auf Trab gebracht werden kann, soll man es wenden und heimwärts gehen lassen. Dann wird es seine Geschwindigkeit von allein erhöhen.

Wenn dein Herz von deiner himmlischen Heimat ergriffen und von Liebe zu Jesus entbrannt ist, gehst du freudig die Wege Gottes. “Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein” (Mt 6,21). Wenn das Reich Gottes deine erste Liebe ist, wird dein Herz auch von deinen Lebensängsten gelöst sein. Dann bist du geheilt von deinen unsinnigen Sorgen. Gott schenke dir dieses Heilmittel, nämlich zuerst nach Seinem Reich zu trachten.

Unser Text sagt: “Trachte zuerst nach dem Reich Gottes!” Das meint gewiß die zeitliche Folge. Junger Mann, junges Mädchen, suche Gott zuerst, d. h. in der Frühe deiner Jugend. Beginne dein Leben so früh wie möglich mit Jesus. Laß alles andere erst danach kommen. Viele zogen es vor, mit der Sünde zu beginnen, aber sie müssen im Alter auf eine Spur von Elend und Schande zurückblicken. Und selbst wenn sie noch späte Gnade hatten, sind ihre Erinnerungen an die Sünde immer noch wie der Schmerz von großen Narben.

Wie furchtbar auch, der Sünde und dem Teufel die Jugend und die Gesundheit geweiht zu haben und sich erst am Ende des Lebens seinem Heiland zu ergeben, wenn man krank und gebrechlich geworden ist. Trachte zuerst und von Anfang an nach dem Reich Gottes und nach Seiner Gerechtigkeit. Suche auch innerhalb einer jeden Woche zuerst das Reich Gottes. Laß den Sonntag, den ersten Tag der Woche, einen Tag des Herrn sein. Besuche die Gottesdienste und laß dich in Gottes Wort unterweisen, damit dein Gewissen und dein Herz zart bleiben und du in der Woche den Versuchungen der Sünde nicht zum Opfer fällst. Suche auch an jedem Tag zuerst das Reich Gottes. Gib Gott die ersten Minuten des Tages. Bevor du irgend etwas anderes tust, lies in der Stille deine Bibel und suche deinen Erretter im Gebet. Beginne kein Tagwerk, ohne zuerst mit Jesus Gemeinschaft gehabt zu haben.

Das Reich Gottes soll nicht nur zeitlich, sondern auch von den Werten her das erste sein. Wenn du Gesundheit suchst, dann suche sie; aber zuerst suche die Sache deines Gottes. Wenn du Bildung suchst, dann suche sie; aber zuerst suche die Furcht des Herrn, denn sie ist der Weisheit Anfang. Suchst du einen Arbeitsplatz, suche ihn mit Fleiß; aber suche zuerst die Arbeit im Weinberg des Herrn, das ist deine Gemeinde. Wenn du nach gutem Verdienst in Beruf und Geschäft trachtest, tue es gern – auf redliche Weise; aber trachte zuerst danach, daß du einen Schatz im Himmel hast. Wonach du auch immer trachtest, trachte zuerst nach deinem Gott. Vielleicht ersehnst du eine Frau. Du möchtest dich verheiraten und eine Familie gründen, das ist gut. Aber willst du darin gesegnet sein, baue zuerst einen Altar und dann erst dein Haus. Trachte zuerst nach dem Reich Gottes und nach Seiner Gerechtigkeit, dann wird dir alles andere hinzugefügt.

Denke einmal an die Märtyrer, die den Tod in Kauf nahmen, weil sie Christus wählten. Sie suchten Gott zuerst und nicht ihr Leben. Sie haben ihr Leben nicht geliebt bis in den Tod und bahnten durch ihr Blut dem Reiche Gottes durch Jahrtausende hindurch einen siegreichen Weg, so daß auch zu uns das herrliche Evangelium gekommen ist. Laßt uns Gott für die vielen Zeugen danken, die nie müde wurden, zuerst nach dem Reiche Gottes zu trachten, die sich dabei selbst vergaßen und Helden des Glaubens geworden sind.

III.Was heißt es, nach dem Reich Gottes trachten? Christus hat einmal gesagt: “Mein Reich ist nicht von dieser Welt” (Joh 18,36). Es ist ein Reich, das in den Herzen Seiner Kinder aufgebaut ist. Wenn wir fragen, was es heißt, nach diesem Reich zu trachten, muß die erste Antwort lauten: Strebe danach, in dieses Reich hineinzukommen, in das Reich des neuen Lebens, das Reich der wirklichen Freiheit, das Reich des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Bitte Gott darum, daß Er dich zu einem Bürger Seines Reiches machen möchte. Christus hat die Bürger Seines Reiches am Kreuz von Golgatha zu Seinem Eigentumsvolk erkauft. Gehörst du dazu? Möchtest du gerne? Hast du Sehnsucht nach Gott? Würdest du nicht dazu gehören, hättest du kein Verlangen nach Jesus. Und dein Herz könnte sich nicht nach deinem Heiland sehnen, wenn Er dein Herz nicht schon in Liebe angerührt hätte. Darum strebe mit Macht und Verlangen in das Reich Gottes und rufe einfach: “Gott sei mir Sünder gnädig!” Er wird sich deiner erbarmen.

Nach dem Reich Gottes trachten heißt weiter, nach Seiner Gerechtigkeit trachten. Gott hat die Herzen Seiner Bürger in dem Blut Jesu Christi gereinigt und sie aus Gnaden gerecht gemacht und ihnen einen geheiligten Charakter geschenkt. Deshalb geben sie sich ihrem Gott hin und sehnen sich nach der Umsetzung der geschenkten Gerechtigkeit. Sie möchten vorbildlich leben und dadurch helfen, daß Gottes Wahrheit und Liebe in dieser Welt zur Geltung kommen. Das heißt, sie suchen als erstes, recht und nicht reich zu sein. Sie trachten zuerst nach dem, was gut ist, und nicht nach dem, was groß ist. Christen gehen immer auf der geraden Straße ihres Gottes und versuchen niemals die Abkürzungen und Schleichwege des Teufels. Das ist nicht immer der leichteste, aber der sicherste Weg. Suche nicht den fragwürdigen Beifall der Menschen, sondern tue, was wohlgefällig ist vor deinem Gott. Auf lange Sicht wirst du sehen, daß es sich gelohnt hat, Gottes gerechte Wege zu gehen und Seine Gebote zu lieben. Laß es den Leitstern deines Lebens sein, nach Gottes Reich und Seiner Gerechtigkeit zu trachten.

Nach Gottes Reich trachten, heißt auch, das Evangelium weitergeben. Es war das Evangelium, das Wort vom Kreuz, das dich gerettet hat. Dasselbe Evangelium ist auch für andere eine Gotteskraft zu ihrem Heil.

Wenn du als erstes nach dem Reich Gottes und nach Seiner Gerechtigkeit trachten willst, sei ein Zeuge Jesu und erzähle den Menschen von der rettenden Liebe Gottes. Hilf der Mission und der Ausbreitung des Wortes Gottes in der Welt. Bete und arbeite dafür, daß Seelen gewonnen werden und der Name des Herrn Ehre bekomme.

IV.was ist mit dem Hinzufügen all des anderen gemeint? Wenn wir uns um Gottes Reich bemühen, will Er dafür sorgen, daß wir alles bekommen, was wir brauchen. Denn es heißt: “Und dies alles wird euch hinzugefügt werden” (Mt 6,33). Mit diesem Ausdruck erinnert Jesus an den Einkauf auf dem Markt. Ein kundenfreundlicher Händler legt vielleicht noch ein oder zwei Kartoffeln oder ein paar Nüsse, je nachdem, was du gerade kaufst, ohne Berechnung obendrauf, obwohl die Waage schon volles Gewicht anzeigt. Das tun die Händler als Zeichen ihrer Großzügigkeit. Sie runden lieber auf als ab, denn sie möchten, daß der Kunde zufrieden ist. Gott rundet auch lieber auf. Wenn du im bildlichen Sinn bei Ihm einkaufst und Sein Geschäft, d. h. Sein Reich, förderst, legt Er dir etwas obendrauf, nämlich die Lösung deiner Sorgen. Die gibt’s bei Ihm gratis. Womit du dich kaputt machst, was dich Zeit und Tränen und schlaflose Nächte kostet, gibt Gott dir nebenbei, wenn du Ihm vor allem den Vorrang gibst.

Manche Leute glauben, wenn man Christ wird, verliert man alles, was man sonst so gern im Leben hat. Sie sagen, man wird arm, dumm, freud- und glücklos und dürfe das Leben nicht genießen. Das ist falsch. Christen sind niemals die Verlierer dieses Lebens. Wofür der Gottlose sich abquält, das bekommt der Christ als Zugabe. Die vielen zermürbenden Sorgen, die sich der Ungläubige um sein irdisches Leben macht, braucht der Christ sich nicht annähernd zu machen. Er bekommt alles, was er braucht, gratis hinzugefügt. Es steht sogar geschrieben: “Es ist umsonst, daß ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf” (Ps 127,2). Die Kartoffeln, die der Händler noch obendrauf legt, muß der Christ nicht mehr bezahlen, aber der Gottlose hat nichts anderes als das und muß ein ganzes Leben voller Sorgen dafür geben.

Ich will noch ein anderes Bild gebrauchen. Wenn du in einem Laden etwas Wertvolles kaufst, bekommst du Einwickelpapier und Band kostenlos dazu. Es wird hinzugefügt. Wenn du Weintrauben kaufst, mußt du für die Tüte nichts bezahlen. Ebenso wirst du, wenn du für Gott und die Ewigkeit lebst, alles, was zum irdischen Leben gehört, kostenlos dazubekommen. Jesus wertet unsere irdischen Angelegenheiten nicht höher als Papier und Schleife. Niemand jubelt, weil er Einwickelpapier erstanden hat, aber es gibt Millionen Menschen, die nichts von den höheren Werten des Reiches Gottes haben, sondern nur Papier und Schleifchen. Und sie erwarten, daß wir Christen niederfallen, um ihre Bänder und Papiertüten anzubeten. Aber für gehaltlose Dinge, die ihr Leben bedeuten, können wir Christen uns nicht begeistern. Wir können nicht verstehen, daß man Abfall zum Ziel seines Lebens macht. Freunde, trachtet nach dem Reich Gottes und Seiner Gerechtigkeit, dann habt ihr auch Einwickelpapier und Band und Schleifen, Essen, Trinken, Kleidung und Wohnung. Was immer Gott meint, das ihr braucht, wird Er euch besorgen.

Als Gott mich in den vollzeitigen Dienst am Evangelium rief, mußte ich meinen Beruf als Bauingenieur aufgeben und meine gute Stellung kündigen. Ich mußte meine junge Familie eine längere Zeit verlassen, und auch sonst war ich oft getrennt von Frau und Kindern. Wir waren sehr besorgt, ob wir finanziell durchkommen würden, ob unsere Ehe die vielen Trennungen durchstehen und unsere Kinder nicht Schaden nehmen würden. Wir sind durch Armut gegangen und hatten doch keinen Mangel, unsere Ehe hat Gott bis zum heutigen Tage in Gnade bewahrt, und unsere Kinder dienen alle drei mit Freuden dem Herrn Jesus. Gott hat sich nichts schenken lassen. Wir haben nichts vermißt, sondern sind überaus glücklich geworden in Gottes Berufung. Ich sage nicht, daß jeder seinen Beruf aufgeben muß. Nein, man kann auch mitten im Beruf als erstes nach Gottes Reich trachten, man kann auch als Hausfrau und Mutter Gott ergeben leben. Man kann Jesus über alles lieben und Sein Reich fördern, einerlei wo man steht. Tue du es gerade da, wo Gott dich hingestellt hat.



Das Märchen vom modernen Lebensgefühl

Bloged in Allgemein by DocNobbi Mittwoch Februar 10, 2010
Das Märchen vom modernen Lebensgefühl


„Es war einmal vor langer Zeit, als es noch keine virtuellen Wirklichkeiten
gab, keine Videotheken und Spartenprogramme, da fragte der Mensch nach dem Sinn
des Lebens. Dann aber kamen die Propheten aus dem Reich der Unterhaltung, die
Animateure und Produzenten, die Werbeagenturen und Beschäftigungstherapeuten.
Sie predigten die gute Nachricht vom Genuss des Augenblicks. Und Jung und Alt
huldigten ihnen, weil diese Botschaft ihnen gefiel. Das war der Tag, vor dem
Gott, der Herr, sich gefürchtet hatte. Denn fortan vergaßen die Menschen ihre
eigentliche Berufung. Es gab keine Ewigkeit mehr in ihrem Herzen, nur die
Illusion von immer währenden Glücksmoment“ (Pfarrer Stollwerk).

Hat unser Leben ein Ziel, oder steuern wir nur auf das Ende zu? Am Ende steht
der Tod, der Sarg, der Friedhof. Wie hieß es in der ehemaligen DDR? „Mach
dir das Leben nur recht schön, kein Jenseits gibt’s, kein Wiedersehen!“
Aber auch dieses Reich mit seiner Ideologie gehört längst der Vergangenheit
an.

Viele Menschen huldigen der asiatischen Weisheit „Der Weg ist das Ziel“.
Doch wer so denkt und handelt, irrt orientierungslos durchs Leben. Wege führen
überall hin. Viele Wege führen nach Rom, führen ins Nichts, ins Leere. Lassen
Sie uns wieder neu bewusst werden, dass unser Ziel die Ewigkeit ist. Gott
schenke uns diese Einsicht.

„Herr, lehre mich doch, dass mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss“.
Psalm39,5

Reinhold Ruthe: Ein neuer Tag – ein neues Leben /Brendow Verlag / Seite 86


Hallo Welt!

Bloged in Allgemein by DocNobbi Freitag Januar 29, 2010

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